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18.04.2017 Brexit

Brexit: Mögliche Auswirkungen auf den deutschen Agrarhandel

Thünen-Institut: Handelsrückgänge vor allem bei verarbeiteten Nahrungsmitteln

Als Folge des Brexit steht eine Neuausrichtung der Handelsbeziehungen zwischen dem Vereinigten Königreich mit der Europäischen Union ganz oben auf der politischen Agenda der britischen Regierung. Einer Untersuchung des Thünen-Instituts zufolge wären auch die deutschen Agrar- und Nahrungsmittelmärkte betroffen. Worum geht es genau?
Seit 29. März läuft das Brexit-Verfahren - was der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU für den Agrarhandel bedeuten könnte hat nun das Thünen-Institut berechnet...
© Nito - fotolia.com
 
Mit rund 4,5 Milliarden Euro und 7 Prozent der gesamten Agrar- und Nahrungsmittelausfuhren war das Vereinigte Königreich 2016 ein wichtiger Handelspartner für die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft. Im Gegenzug hat das Vereinigte Königreich im Jahr 2016 Agrarprodukte im Wert von 1,4 Milliarden Euro nach Deutschland exportiert.
 
Experten des Thünen-Instituts für Marktanalyse in Braunschweig haben nun mit einem Handelsmodell berechnet, wie sich der Brexit auf die deutsche Agrar- und Nahrungsmittelwirtschaft auswirken könnte. Sie legten dabei ein ,,Extremszenario‘‘ zugrunde, bei dem die EU wie auch das Vereinigte Königreich im Außenhandel wieder Zölle erheben. Weiterhin, dass die EU die Briten bezüglich der Zollhöhe entsprechend der WTO-Regeln genauso behandelt wie derzeit beispielsweise die USA, Brasilien oder China. Im Gegenzug, so wurde angenommen, würde sich das Vereinigte Königreich ähnlich verhalten und Zollschranken entsprechend der WTO-Regeln gegenüber den EU-Mitgliedstaaten erhöhen.
 

Agrarhandelsüberschuss verringert sich

Die Ergebnisse zeigen, dass sich der deutsche Agrarhandelsüberschuss mit dem Vereinigten Königreich in diesem Szenario um rund 700 Millionen Euro verringern würde. Betrachtet man einzelne Gütergruppen, so wird deutlich, dass die heimische Schweine- und Geflügelfleisch- sowie die Milchindustrie zusammen mit den vorgelagerten Lieferbereichen am stärksten von dem Brexit betroffen wären. Durch den Rückgang der Handelsmengen würde der Produktionswert von Schweine- und Geflügelfleisch um über 2 Prozent und der von Milchprodukten um über 1 Prozent sinken. Insgesamt wäre der Handel mit verarbeiteten Nahrungsmitteln stärker von einem Brexit betroffen als der Handel mit unverarbeiteten Agrarprodukten.

Die Berechnungen beruhen auf der Annahme, dass die (verbliebenen) EU-27 und das Vereinigte Königreich im Rahmen der Austrittsverhandlungen keine Konzessionen, zum Beispiel im Rahmen eines möglichen Freihandelsabkommen eingehen, sondern Zölle entsprechend den WTO-Regeln erheben. Damit beschreiben die Ergebnisse ein mögliches ‚worst case‘ Szenario. Wie realistisch diese Annahme ist, werde sich in den kommenden Monaten erweisen, wenn die Austrittsverhandlungen geführt werden. Dr. Martin Banse, Leiter des Thünen-Instituts für Marktanalyse: „Im Falle eines erleichterten gegenseitigen Marktzugangs, der wohl anzunehmen ist, dürften die hier vorgestellten Effekte deutlich geringer ausfallen.“

Am 29. März 2017 wurde die EU-Austrittserklärung des Vereinigten Königreichs beim Europäischen Rat in Brüssel eingereicht. Damit steht zum ersten Mal in der Geschichte der Europäischen Union ein Austritt auf der Tagesordnung.

 

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