18.12.2014 Adventfeiern der Landfrauen

Den Bäuerinnen wird der Spiegel vorgehalten

Mitreißende Einstimmung auf die Weihnachtszeit

Referent Josef Epp hält einen mitreißenden Vortrag
© BBV/Marie-Helen Rieke

Wie jedes Jahr Anfang Dezember starten die Landfrauen und Bäuerinnen des Landkreises Rosenheim mit einem Vortrag und stimmungsvollem Rahmenprogramm besinnlich in den Advent. Kreisbäuerin Rosalinde Riepertinger konnte auf beiden Veranstaltungen viele Bäuerinnen und Landfrauen sowie zahlreiche Ehrengäste aus der Politik und der Wirtschaft begrüßen.
 
Als Referent sprach Religionspädagoge und Klinikseelsorger Josef Epp aus dem Allgäu zunächst in Ramerberg und am folgenden Tag in Bad Aibling zu den interessierten Zuhörerinnen und Zuhörern.
 
Er zeigte in seinem Vortrag zunächst die vielen, vielen Aufgaben der Landfrauen in ihrem alltäglichen Leben auf, die zusammengefasst sehr kraftraubend sein können. Um aber den Alltag bewältigen zu können, muss der Akku voll sein und dafür ist jede selbst verantwortlich.
Herr Epp greift in seinem Vortrag auf seine persönlichen Erfahrungen aus seiner Lebensgeschichte wie auch aus dem Hintergrund als Lehrer zurück, denn „Schule ist Gesellschaft pur“. „Meine Schüler sind energetische Wunder und trotzdem voller Energiekrisen, weil an sie so hohe Anforderungen gestellt werden“, so der Referent. „Und so sind es von der Sonnen- bis zur Schattenseite des Lebens häufig nur wenige Schritte.“
In seiner Tätigkeit als Klinikseelsorger in der Kreisklinik Ottobeuren erlebt Epp immer wieder, wie Menschen mitten im Leben krank werden und ihr Leben verändern müssen.
 
Einen großen Bruch in seinem Leben erlebte auch er selbst, als er nach dem plötzlichen Tod seiner Frau mit drei Kindern alleine blieb. Er fordert dazu auf, dass sich die Zuhörer bewusst und rechtzeitig ihre Kraftreserven anschauen, damit der Akku nicht schon in der Lebensmitte, wenn der „Faltenwurf“ kommt, leer ist. Dabei hinterfragt Epp auch kritisch „das Glück der Lebensmitte“, was mit dem eigenen Alter auch das Loslassen von den Kindern und den Abschied von den eigenen Eltern mit sich bringt, und damit eine krisenanfällige Zeit ist. Deutlich zeigt er mit einem Augenzwinkern auf, dass „die zweite Halbzeit meist schneller vergeht und die entscheidenden Tore fallen oft in der Nachspielzeit“. „Denn letztlich sind wir Menschen Verschleißteile der Evolution“, so der Referent.
 
Ganz konkret zeigt der Klinikseelsorger drei Quellen auf, aus denen jeder Mensch täglich wieder Kraft schöpfen kann, und verdeutlicht diese Quellen in den Bildern eines Spiegels, eines Poesiealbums und einer Muschel.
Den Spiegel sollte sich jeder jeden Tag vorhalten und zu sich selbst kommen, sich Raum und Zeit für sich selbst nehmen und aus dem Teufelskreis der Nützlichkeit und Zweckdienlichkeit herauskommen.
Das Poesiealbum steht für die sozialen Beziehungen zu anderen, für die sich jeder täglich Zeit nehmen soll und Gespräche und echten Austausch pflegen soll.
Die Muschel als dritte Quelle steht für das Sinnbild als Pilger, denn auch Raum und Zeit für Besinnung, Stille und Nachdenken sind so wichtig.
Josef Epp verordnet seinen Zuhörern daher jeden Tag dreimal 10 Minuten Kurzurlaub, um aus jeder dieser Quellen zu schöpfen und damit die Energiebilanz ausgeglichen zu halten.
Die Zuhörerinnen und Zuhörer waren begeistert von dem Nachmittag in Bad Aibling.
© BBV/Marie-Helen Rieke
 
Bei diesem Vortrag durften die Landfrauen neben den vielen ernsten Anstößen auch kräftig lachen und jede konnte für sich selbst Anregungen mit heim nehmen.
 
Im Anschluss wurde es mit den musikalischen Einlagen der Landfrauen und dem Vortragen von weihnachtlichen Texten durch die stellvertretende Kreisbäuerin Katharina Kern besinnlich.
 

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