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08.10.2014 Pressemitteilung

Brauchen Almkühe bald Windeln?

Pläne bei der Düngeverordnung stellen gerade Bauern in Bayern vor große Probleme

Gmund (bbv) – Seit Generationen bewirtschaftet die Familie von Milchbauer Johann Huber den „Bergerhof“, wo die Kühe auf den steilen Hängen rund um den Tegernsee grasen. Wenn es nach der EU-Kommission geht, wird sich das bald ändern: Künftig soll für Flächen mit einer Hangneigung von mehr als 15 Prozent ein generelles Düngeverbot gelten. „In Bayern wäre so auf der Hälfte der Weinbauflächen keine Düngung mehr möglich und zehn Prozent der Wiesen und Äcker könnten künftig nicht mehr bewirtschaftet werden“, sagte der oberbayerische Bauernpräsident Anton Kreitmair bei einem Termin auf dem „Bergerhof“.
Gemeinsam mit Landwirt Johann Huber zeigte der oberbayerische Bezirkspräsident Anton Kreitmair mögliche Folgen der Düngeverordnung für Almkühe auf.
© BBV
Er fürchtet, dass die geplanten Änderungen massive Auswirkungen für die bayerischen Bauern haben könnten – insbesondere für Bergbauern: „Die natürlichen Hinterlassenschaften der Weidetiere sind Dünger. Die Forderung aus Brüssel hätte also zur Folge, dass Kühe nur noch mit Einschränkungen auf Almwiesen weiden dürften“, so Kreitmair. Gemeinsam mit Landwirt Johann Huber hat er bereits ausprobiert, was das für die Bauern im Alpenvorland bedeuten könnte: Gemeinsam haben sie zwei von Hubers Kühen Windeln angezogen, um deutlich zu machen, wie praxisfern die Vorschläge aus Brüssel sind. 
 
Doch die Probleme bei der Umsetzung der EU-Nitratrichtlinie und der geplanten Veränderung der Düngeverordnung sind noch wesentlich weitreichender: Durch die Gesetzesänderung könnten Sperrfristen ausgeweitet, niedrigere Obergrenzen sowie viele weitere Auflagen eingeführt werden. „So wird die Kreislaufwirtschaft auf vielen bayerischen Betrieben ausgehebelt. Das geht gerade zu Lasten der kleineren Betriebe mit Tierhaltung, die das Bild im Voralpenland und den Bergregionen prägen“, sagte Kreitmair. Statt dem Blick in den Kalender müsse bei der Düngung auch in Zukunft die landwirtschaftliche Ausbildung, die Erfahrung der Bauern und nicht zuletzt auch der Nährstoffbedarf maßgeblich sein. Der Bauernverband fordert deshalb praxistaugliche Regelungen, damit die bayerischen Bauern ihre Pflanzen auch künftig standort- und bedarfsgerecht versorgen können.

Außerdem wird im Moment darüber diskutiert, ob bei der Gülleausbringung teure Technik vorgeschrieben werden soll. „Gerade kleinere Betriebe werden mit solchen Auflagen und den damit verbundenen Investitionen an den Rand der Belastbarkeit gebracht – oder auch darüber hinaus“, sagte Kreitmair. Außerdem eigne sich die große und schwere Technik für den Einsatz auf vielen kleinen und schwerbefahrbaren Flächen nicht. „Seit Jahrhunderten schaffen die Bäuerinnen und Bauern mit ihrer oft harten Arbeit Heimat – und zwar mit allem, was dazu gehört: regionale Spezialitäten, lebendige Bräuche und Traditionen“, sagt Kreitmair. „Die Bergbauern haben einen großen Anteil daran, dass die Alpen eines der gefragtesten Reise- und Ausflugsziele sind. Damit Landwirte diese vielfältigen gesellschaftlichen Aufgaben auch künftig erfüllen können, sind jetzt insbesondere die Politiker von Bund und Ländern gefordert, passende Rahmenbedingungen auf den Weg zu bringen!“
 
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