Termine und Seminare
30.12.2011
Verbandsarbeit
Durchwachsenes 2011 und verhaltene Zuversicht für 2012
Bauernpräsident zum Jahreswechsel
Ein spannendes Jahr liegt hinter uns. Die Wetterkapriolen ließen 2011 zu einem der schwierigsten Anbaujahre werden. Die Ernte war geprägt von deutlich regionalen Unterschieden. 2011 war aber auch ein Jahr, in dem die Schweine- und Geflügelhaltenden Betriebe sowie die Gemüsebauern durch Skandale, deren Ursachen außerhalb der Landwirtschaft lagen, wirtschaftlich in die Tiefe gerissen wurden.
Im Dioxin-Skandal war es
die kriminelle Energie eines Futtermittelherstellers, der Markteinbrüche für
alle Schweine- und Hühnerhalter verursachte. Dann die EHEC-Krise: Hier zeigte
sich drastisch, dass falsche Informationen verheerende Folgen für Wirtschaft
und Verbraucher haben können. Der Dioxinfall und die EHEC-Krise
machen einmal mehr deutlich, dass für eine verantwortungsvolle
Verbraucherinformation nicht die Informationsmenge, sondern deren Qualität
entscheidend ist. Wir Bauern erwarten deshalb von den Verantwortlichen, dass
nach Verabschiedung der Novelle des Verbraucherinformationsgesetzes eine
Information der Öffentlichkeit ausschließlich über gesicherte Erkenntnisse
erfolgt. Zudem muss die öffentliche Hand bei Falschinformationen umfassend
haften.
Mit Blick auf das abgeschlossene Wirtschaftsjahr 2010/2011 haben sich die Einkommen der bayerischen Bauern in
vielen Erzeugungsbereichen erholt. Dies war dringend nötig nach zwei schlechten
Jahren. Bis auf die Schweinehalter und vor allem die hart betroffenen Ferkelerzeuger
konnten nun endlich viele Familienbetriebe wirtschaftlich aufholen. Allerdings
zehren die gestiegenen Betriebsmittelkosten schon wieder manche
Erlösverbesserung auf.
Trotz dieser schwierigen Vorzeichen
ist es für mich immer beeindruckend, wie intensiv die Bäuerinnen und Bauern
Imagearbeit für die Land- und Forstwirtschaft leisten und das gesellschaftliche
Leben im Dorf mitgestalten. Die Landfrauen, die Bauern und die Jugendlichen
geben der Heimat ein Profil. Hier setzt auch das Engagement des ehrenamtlichen
und hauptamtlichen Teams des Bayerischen Bauernverbandes an: von der Orts- über
die Kreis- bis zur Landesebene, haben wir uns im zurückliegenden Jahr für alle
Bauernfamilien, Grundeigentümer und auch für Sie eingesetzt. Leitbild unserer
Arbeit ist: „Miteinander für Sie und Ihren Erfolg – Gemeinsam für eine
lebenswerte Zukunft“. Miteinander gelang es, die land- und
forstwirtschaftlichen Familienbetriebe zu unterstützen und finanziell zu
entlasten. Auch im Jahr 2011 wirken die vor zwei Jahren über das
„Sonderprogramm Landwirtschaft“ errungenen wesentlich erhöhten Bundeszuschüsse
zur Landwirtschaftlichen Unfallversicherung oder die seit dem Frühjahr erst
gesetzlich verankerten Entlastungen bei der Agrardieselregelung, um nur einige
Beispiele zu nennen. Bis 31. Januar 2012
sammeln wir Unterschriften bei den Bauernfamilien und auch in den Dörfern, um
den Deutschen Bundestag endlich zu Gesetzesänderungen zum Schutz von Äcker,
Wiesen und Wälder zu bewegen. Der Landfraß muss gestoppt werden.
Für das Jahr 2012 liegen schon
einige neue Aufgaben vor uns. Beim Bayerischen Bauernverband geht es in die
nächste „Spielzeit“ von 2012 bis 2017. Die Verbandsmitglieder haben bei den
Wahlen auf Ortsebene ihr Team aufgestellt, Ortsobmänner und Ortsbäuerinnen sind
gewählt. Zum Teil gab es einen Generationenwechsel, der Stab wurde an junge
Bäuerinnen und Bauern übergeben.
Die weltweite Nachfrage nach
Lebens- und Futtermitteln sowie nach Bioenergie wird weiter zunehmen. Deshalb
darf die landwirtschaftliche Nutzfläche in Deutschland nicht weiter ungebremst
durch Überbauung und Versiegelung verloren gehen. Wir wehren uns deshalb gegen
eine faktische Flächenstilllegung von 7 Prozent, sogenannte ökologische
Vorrangflächen, wie sie EU-Agrarkommissar Ciolos im Rahmen der Agrarreform ab
2014 vorschlägt. Wenn wir in Europa 5 Millionen Hektar stilllegen, müssten an
anderer Stelle auf der Welt angesichts der niedrigeren Erträge 10 bis 15
Millionen Hektar in die Bewirtschaftung neu aufgenommen werden. Auch in Punkten
wie Greening, aktiver Landwirt und Cross Compliance muss die GAP deutlich
nachgebessert werden. Denn hier steht für die bayerischen Bauernfamilien eine
durchschnittliche Unterstützung von etwa 13.000 Euro über die so genannte erste
und zweite Säule auf dem Spiel. Unser politischer Einsatz zielt auch auf den
Erhalt der Ausgleichszulage und des Kulturlandschaftsprogramms sowie die
Neugestaltung der Grundsteuer.
2012 wird
unsere Arbeit auch durch den Dialog mit unseren Mitbürgern zu Themen wie
Tierhaltung und Klimaschutz bestimmt. Gemeinsam sollten wir Vorbehalte aufgreifen und für eine Land- und Forstwirtschaft
von heute und für morgen werben. Eine gute Plattform hierfür ist das 125. ZLF,
das wir vom 22. bis 30.September 2012 auf der Theresienwiese in München feiern.
Ich wünsche allen Bauernfamilien für das Jahr 2012 alles
Gute, viel Erfolg und Gottes Segen.
Gerd Sonnleitner
Bauernpräsident
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